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Ein Zitat voran zum grundsätzlichen Ansatz pädagogischen Tuns:

"Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch. Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken. Denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen. Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal In euren Träumen. Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein; aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern. Ihr seid die Bögen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit Seine Pfeile schnell und weit fliegen. Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein. Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt Er auch den Bogen, der fest ist. "                                        Khalil Gibran: Der Prophet                                                                                                                         

Das Musik- und Lehrerstudium war keine Verlegenheitswahl, sondern letztlich eine gute Einschätzung eines richtigen, passenden Berufsweges. Spürte man in mancher Arbeitsminute, merkt man immer noch mit Freuden, wenn einem frühere Schüler/innen mal wieder über den Weg laufen…

Dr. Rother, damaliger Schulleiter der Goethe-Schule Bochum und ambitionierter Chordirigent, machte eine regelmäßige Teilnahme an seinen Chorproben zur Bedingung für eine Einstellung als Lehrer. Es gab mehrere Gründe, das einzustielen. Und das war gut so, auch noch aus heutiger Sicht.

Der Beginn im Dezember 1966, zunächst im Angestelltenverhältnis ohne vorheriges Referendariat, brachte sofort eine immense Fülle von Unterrichtsvorbereitungen mit sich, gleich für 24 Wochenstunden. Daraus wurden bald 28 bis 30, es kamen über einen längeren Zeitraum nämlich 4, manchmal auch bis zu 6 Überstunden in der Woche hinzu, mitunter einige Stunden fachfremden Unterrichts in Kunst und Erdkunde in der Unterstufe, für drei Jahre auch mal eine Klassenlehrertätigkeit.

Im Unterrichtsfach Musik hatte neben der notwendigen Vermittlung von musikalischer Grammatik, historischem Wissen, Formenlehre usw. das Singen seinen wichtigen Platz in den jeweiligen 45 Unterrichtsminuten der einzelnen Klassen. Besonders aber im Chor, der in einen Unter- und einen Oberstufenchor geteilt war und mit extra hierfür angesetzten 3 Wochenstunden im normalen Plan Schulmusiker-Traumverhältnisse bedeutete! So entstanden bei vielen Gelegenheiten, Abiturentlassungen, Feiern, Schülerkonzerten etc. auf der einen Seite eine musische Abwechselung für manche Schüler, aber auch eine relativ angemessene Repräsentation des Faches nach außen hin.

Bei über die Jahre gesehen leider nicht gleich bleibender wöchentlicher Chorstundenzahl gab es jedoch interessante Alternativen zur Normalität des Unterrichtens. Einige Highlights seien erwähnt:

Über jeweils längere Zeiträume gab es ein kleineres Orchester, mal eine 8-köpfige Bläsergruppe, mal auch eine Kompositions-AG, in der Oberstufenschüler einen mehrstimmigen Satz für Chor bzw. eine Fuge zu schreiben lernten. Mit einem abschließendem Wettbewerb, wobei die Zusage, das beste Stück aufzuführen, natürlich auch eingehalten wurde.

Nachdem der Schulalltag zur lieben Gewohnheit geworden war, durfte auch Innovatives den Alltag bereichern: Mit Schülern in Schritten geplant, dann natürlich auch praktisch durchgeführt,

 

Schüler beim Herstellen elektronischen Klangmaterials (Foto: Westf. Rundschau, 6. Dez. 1968)

entstand eine Arbeitsgruppe „Elektronische Musik“, die sich nachmittags im Physiksaal traf und unter Nutzung dort vorhandener und auch selbst gebauter Geräte musikalische Phänomene auf ihre Obertongestalt überprüfte und als Projekt eigene Musik, heißt Klänge bzw. Klangfarben im elektronischen Verfahren erstellten. Aus einem damaligen Zeitungsausschnitt:

… Die Jugend des technischen Zeitalters überrascht es nicht, dass auch Anfangsgründe kompliziert sein können. Sie wirken an Generatoren, basteln selbst Modulatoren, errechnen Tonfrequenzen, stellen nach Tabellen Sinustöne her, sind ganz bei der Sache. Wenn genügend gespeichert worden ist an Tönen, Geräuschen, Lärm und Flüstern der Welt, werden sie damit, jeder für sich, komponieren. Dann wird das Zuhören und Zusehen noch interessanter.                          Westfälische Rundschau 6. Dez. 1968

Am Ende gab's dann wirklich ein zusammenhängendes Stück und eine Single davon obendrein.

Neben der Tätigkeit an der Schule gab’s - neben regelmäßiger, meist jeweils langjähriger privater Klavierlehrertätigkeit - an der Uni Münster nach ca. 1 ½ Jahren den Abschluss im 2. Lehrfach Erziehungswissenschaft, so dass das 1. Staatsexamen nun komplett abgeschlossen war und die Referendarzeit (auf ein Jahr verkürzt) am Hagener Studienseminar ablaufen konnte. Ausbildungsunterricht am Albrecht-Dürer-Gymnasium und an der Ricarda-Huch-Schule. An der einen Schule lief beispielsweise eine Unterrichtsreihe mit dem 2. Staatsarbeitsthema „Kollektive Improvisation innerhalb intuitiver Musik“ (mit einer zunächst wilden, dann aber gezähmten Klasse 8 mit 43 Schülerinnen und Schüler) mit einer zusätzlichen Dokumentation aller mitgeschnittenen Gruppenimprovisationen auf Schallplatte. An der zweiten Schule gab es, noch vor dem Staatsexamen, zusammen mit dem einzigen Mitreferendar, der auch die gleichen Fächer vertrat, ein gemeinsam gestaltetes Schülerkonzert, das neben einer ganzen Reihe von solistischen Instrumentalbeiträgen auch Chorkompositionen bot, im 2. Teil – antiquiert kostümiert – zusätzlich Telemanns komische Kantate „Der Schulmeister“, bei der sich die beiden Referendare die Dirigentenfunktion und die Partie der Titelrolle, letztere im prächtigen Kostüm, vom Stadttheater Hagen ausgeliehen, teilten.

Zurück an der Goethe-Schule in Bochum, wurde dort das – damals noch sehr neue – Schulfach Erziehungswissenschaft eingerichtet, zunächst als Arbeitsgemeinschaft, etwas später dann als Grund- und Leistungskurse, die für den Lehrer nun regelmäßige Korrekturen von Arbeiten mit sich brachten.

Goetheschule Bochum

Ein weiteres Projekt im Fach Musik: 6 Klassen komponieren nach Sichtung und Probieren des vorhandenen „Instrumentariums“ (1. Unterrichtsreihe)

 einen Zyklus für elektronische Instrumente, wobei jeder Klasse 2 Minuten Aufführungsdauer zur Verfügung standen (2. Unterrichtsreihe). Thema: „Blüten des Lärms – eine elektronische Realisation, die als musikalisch-kritischer Beitrag zur Umweltverschmutzung im auditiven Sinn“ gemeint war. Die 6 Titel:

1. Bauernwerk-Stahlhof (OIs)

2. Wasser (OIIm2)

3. Lärmvogel (OIm)

4. Krieg und KRIEG (OIIm1)

5. Unfall (OIIs1)

6. Autofriedhof/Requiem (OIIsII) (  Hörbeispiel, 2 Min., mp3)

Das Ganze wurde als stolze “Welturaufführung” des Werks der Schüler, unter Mitlieferung der jeweiligen Partituren und Erläuterungen, der Öffentlichkeit auf einem Schülerkonzertabend der Goethe-Schule vorgeführt.

Weitere schulische Akzente von Interesse, die den Rahmen der Schulmusiker-Alltagsarbeit überstiegen:

z.B. der Part als Solosänger („Hexe“, zusammen mit dem Kollegen K.-U. E. als 2. Hexe) bei einem wahren Großprojekt „Dido und Aeneas“, der Oper von Henry Purcell (Dirigent: Kollege J. W.), die in Bochum dreimal sowie einmal in der Partnerschule in Lille (Frankreich, 1984) aufgeführt wurde.

Die Gründung eines Renaissance-Musikinstrumenten-Ensembles gab der Schule im Fach Musik für eine ganze Reihe von Jahren ein besonderes Profil. Ca. 14 Schüler, alle aus der Jahrgangsstufe 10, mussten sich mit bislang auch vom Namen her unbekannten Blasinstrumenten vertraut machen, die

WAZ Zeitungsfoto (6. 12. 68): Krummhornband der Goethe-Schule BO

zudem teilweise noch schwer zu intonieren waren: Cornamusen, Zinken, Krummhörner, Schalmeien. Es dauerte eine ganze Weile, bis die ersten Gaillarden und Pavanen etc. vorführreif waren. Und das häufig bei Veranstaltungen der Schule, bei Konzerten der Bochumer Schulen oder auch mal in der Ruhrlandhalle in Bochum. Der Name hatte mittlerweile einen guten Ruf: „Krummhornband der Goethe-Schule“ und blieb über Jahre, auch noch in einer zweiten Gruppe, nachdem die erste ihr Abi gebaut hatte, Sahnehäubchen des Faches Musik an der Schule.

 „Wir komponieren barocke polyphone Musik“ war die Devise je einer Unterrichtsreihe in zwei verschiedenen Grundkursen in den letzten Jahren, von denen der letzte Kurs im Frühjahr 2004 das Abitur gemacht hat. Die Schüler lernten die grundsätzlichen Regeln der Kontrapunktik in einem Vorlauf kennen, schrieben dann im Verlaufe von 3 – 4 Wochen selbst die Exposition einer dreistimmigen Fuge, wobei für die Schüler besonderer Anreiz war, die besten 10 Ergebnisse, als instrumental-farbig eingespielte Version auf einer professionellen CD eingespielt, geschenkt zu bekommen.

  Aus der Unterrichtsarbeit mit der Jahrgangsstufe 10 bzw. 11: Schülerkompositionen einer 3-stimmigen Fugenexposition (aus den Jahren 2000 und 2002, ca. 3 Min., mp3) 

 Seit 1972: Parallel zur Tätigkeit als Lehrer für Musik und Erziehungswissenschaft lief noch eine weitere verantwortungsvolle Aufgabe mit (unter Minderung der Stundenzahl an der Schule): die Fachleitertätigkeit am Studienseminar in Bochum, zwei Durchgänge auch zusätzlich in Dortmund, mal auch in Recklinghausen, jeweils zur Aushilfe.

Ausbildung von jungen Lehrerinnen und Lehrern zunächst also im Fach Erziehungswissenschaft, später, ab 1987, im Fach Musik, dem eigentlichen Neigungsfach. Hieß konkret: pädagogische und menschliche Hilfestellung für ehemalige Lehrer-Studenten, die nach ihrem 1. Staatsexamen das ca. 2-jährige Referendariat an einer Ausbildungsschule, für viele Jahre auch mit einem halbjährigen Vorlauf an einem anderen Schulsystem, begannen. Hieß formal: eine Doppelstunde pro Woche gemeinsames Durchdenken und theoretisches Ausprobieren, Simulieren, wie denn guter bzw. ökonomischer und lerneffektiver Unterricht aussehen könnte sowie darüber hinaus Besuche im Unterricht der Referendare an ihren Schulen mit einem anschließenden Beratungsgespräch. Hieß weiterhin: an Fachleiterkonferenzen teilnehmen, Zwischen- und Endgutachten schreiben, zu Zweiten Staatsprüfungen an irgendein Gymnasium in Nordrhein-Westfalen reisen, bei Doppelprüfungen ganztägig unterwegs sein. Mitunter war auch das spannend und lohnend. Hieß leider aber auch, aus Zeitgründen: nicht mehr so viele und bunte zusätzliche Aktivitäten an der eigenen Schule...

 An der Uni Dortmund für 2 Semester: Lehrauftrag im Bereich „Mediendidaktik“ – Kreative Arbeit mit Studenten an technischen Vermittlungshilfen im Musikunterricht, u.a. Aufnahme- und Schneidetechnik.

 Seit ca. 1973 bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt (2009): Vorsitzer im 1. Staatsexamen an den Universitäten Bochum (zunächst), später Dortmund (Fächer: Erziehungswissenschaft und Musik). Bei der anfänglich noch geltenden alten Prüfungsordnung gab’s im Fach Musik (häufiger) Genussreiches vorweg: das – zu bewertende - künstlerische Vorspiel auf Haupt- und Nebeninstrument. Für einen, dessen Leben von der Musik bestimmt und umgeben war, immer eine willkommene und Spannung erzeugende Angelegenheit.

 Seit Sommer 2004: Ende der zweijährigen Altersteilzeit, 2. Teil (unterrichtsfreie Zeit) und faktischer Beginn der Pensionärszeit. Von nun an also: Studiendirektor a.D. ...

 An dieser Stelle passt auch noch der Hinweis auf zwei Veröffentlichungen, die sich aus der didaktischen Arbeit ergaben bzw. diese ergänzten:

Rudolf E. Hagen: Avantgarde – von Kindern gespielt. Eine Unterrichtssequenz zur Diskussion gestellt. Neue Musikzeitung August/September 1970

 Rudolf E. Hagen. Elektronische Musik in der Schule. Rote Reihe 44. Universal Edition. Wien 1975

 

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